Der Stoff, aus dem die Zukunft gemacht ist

3 spannende Textilinnovationen

Neue Außenbeschichtungen, wie etwa die Nanotechnologie, verhindern, dass Substanzen in das Textilmaterial eindringen: Der Schmutz perlt an der Oberfläche einfach ab.

Der New Yorker Designer Nikolas Bentel hat eine Kollektion mit Hemden entwickelt, die bei Kontakt mit schadstoffbelasteter Luft die Farbe ändern.

Funktionstextilien, die mit Apps kommunizieren, analysieren nicht nur die uns umgebenden Umweltfaktoren – sondern auch, wie es uns selbst geht

Wie wäre es zum Beispiel mit Textilien, mit denen die Schadstoffbelastung der Luft gemessen werden kann? Oder mit integrierten Solarzellen? Textilien werden auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit zukünftig eine immer wichtigere Rolle spielen.

Im ersten Moment mag es wie Science Fiction anmuten, aber die aktuelle Revolution der Textilwelt ist durch und durch realistisch: Wir reden über eine Zukunft mit Textilien samt integrierter Elektronik, die Blutdruck und Herzfrequenz messen. Und den Blutzuckerspiegel gleich mit. Sie können aber auch Schadstoffe in der Luft bestimmen und diese Luft sogar reinigen. Und das ist nur der Beginn der Entwicklung. Die Textilindustrie, die oft als umweltschädigend verurteilt wurde, ist auf dem Weg, eine positive Kraft für eine nachhaltigere Gesellschaft zu werden:

„Intelligente Textilien sind sehr viel mehr als nur ein Trend. Auf lange Sicht werden sie unseren Alltag verändern und verbessern“, sagt Nils-Krister Persson, Verantwortlicher des Technology Labs von „Smart Textiles“, das zur Textilhochschule im südschwedischen Borås zählt.

„Hierbei geht es allerdings nicht um ‚intelligent‘ im Sinne von künstlicher Intelligenz. Sondern vielmehr darum, Textilien zu erschaffen, die einen Mehrwert und neue Funktionen mit sich bringen. Dabei kann es sich um die Kombination von Elektronik und Stoff handeln, etwa indem Sensoren mit verschiedenen Messfunktionen integriert werden – eine Entwicklung, die wir in der Altenpflege übrigens schon beobachten“, fährt Nils-Krister Persson fort.

Nützliche Erfindungen können also ganz unterschiedlich aussehen.

Eines der für textile Innovationen bekanntesten Unternehmen ist Svensson in Kinna, das nicht nur Innenraumtextilien herstellt, sondern auch Weltmarktführer für Klimaschirme ist – riesige Textilgewebe, die in Gewächshäusern für ein perfektes Klima sorgen.

„Es handelt sich um eine Nische, die mehr und mehr an Relevanz gewinnt, nicht zuletzt aufgrund der zunehmenden Umweltprobleme. Klimaschirme sind aber zugleich auch ein Garant für eine sicherere Lebensmittelproduktion und senken den Energieverbrauch, teilweise sogar bis zu 50 Prozent“, weiß Hans Andersson, technischer Leiter bei Svensson.

In seinem eigenen Labor in Kinna arbeitet das Unternehmen intensiv an der Verfeinerung der Methoden – kleinste Veränderungen können unglaubliche und entscheidende Ergebnisse zur Folge haben:

„Wenn es uns beispielsweise gelingt, den Lichteinfall in einem Gewächshaus um ein einziges Prozent zu erhöhen, so führt dies im Schnitt zu einer ebenso hohen Ertragssteigerung. Auf lange Sicht handelt es sich dabei um enorme Zuwächse und Beträge“, sagt Hans Andersson.

Es ist von enormem Vorteil, dass Svensson sowohl mit Innenraumtextilien als auch mit Klimagewebe arbeitet, da die beiden Geschäftszweige in hohem Maße voneinander profitieren und die Forschung vorantreiben können. Immer häufiger gibt es sogar direkte Schnittstellen zwischen diesen beiden Welten.

„Wir haben sogar begonnen, Solarzellen in unsere Produkte zu integrieren, bislang eher als Experiment und zu Vorführungszwecken. Langfristig betrachtet erscheint uns dies allerdings eine durchaus realistische Entwicklung“, sagt Hans Andersson.

Sara-Sjogren.jpgTextil-Trend

Auch das Streben nach neuen, umweltfreundlichen Materialien und die Bemühungen um eine nachhaltigere Gesellschaft durchziehen die Textilbranche wie ein roter Innovationsfaden. Der Textilhochschule in Borås ist es beispielsweise gelungen, Stoff aus einer Papiermelange herzustellen.

Angesichts des Bevölkerungswachstums ist dies eine äußerst wichtige Entwicklung. Denn der Bedarf an Textilfasern und alternativen Materialien, die Baumwolle und Kunststoff ersetzen können, wird weiter zunehmen. Gleichzeitig geht es darum, Textilien mit einer längeren Lebenszeit zu erschaffen. Eine vieldiskutierte und erfolgversprechende Methode dazu ist die Verwendung von Nanotechnologie. Sie bewirkt, dass Schmutz einfach am Stoff abperlt.

„Dazu haben wir bereits ausgiebig geforscht, nicht zuletzt deshalb, weil unsere Textilien häufig in Umgebungen Verwendung finden, wo sie stark strapaziert werden“, erzählt Hans Andersson und verweist darauf, dass Svensson unter anderem auch Sitzbezüge für Züge und Busse herstellt.

„Die funktionalen Anforderungen an entsprechende Textilien sind hoch. Sie müssen leicht zu reinigen, äußerst strapazierfähig und absolut feuersicher sein. Wie oft kann man beispielsweise auf einem Stoff sitzen, ohne dass er zu fusseln beginnt oder Pilling entsteht? Für einen Stoff ist es nämlich am besten, das Waschen so lange wie möglich hinauszuzögern“, sagt Hans Andersson.

Dabei geht es aber nicht nur um die finanziellen Aspekte. Hans Andersson betont nachdrücklich, dass Svensson sich traditionell für den Umweltschutz stark macht – möglicherweise ist es genau dieses Engagement, das den Textilhersteller von morgen auszeichnet. Technischer Fortschritt und Innovationen sind jedermann zugänglich, gelebte Rücksichtnahme auf Umwelt und Menschen hingegen setzt ein stark ausgeprägtes Verantwortungsgefühl und klare Umweltrichtlinien voraus. Hans

Andersson weist darauf hin, dass bei einer Bodenuntersuchung vor einigen Jahren rund um die Fabrikanlage in Kinna keinerlei Spuren von umweltgefährdenden Emissionen gefunden werden konnten:

„Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, keine umweltgefährdenden Chemikalien zu verwenden. Dass scheint allerdings auch ein handfester Wettbewerbsvorteil zu sein, insbesondere wenn man wie wir auf öffentliche Auftragsvergaben hinarbeitet. Alle wissen, dass Svensson ein Unternehmen ist, das Umweltschutz groß schreibt.“

Und das ist vielleicht der allerwichtigste Trend.

 

Unterschrift, um Newsletter zu erhalten