Veröffentlicht 07.06.2018

A Growers Climate – Das Neue Anbauen

In jeder Ausgabe von KAS erzählt ein Berater von Svensson in der Rubrik A Growers Climate über die Entwicklungen in seinem oder ihren Fachgebiet. Zum Beispiel über die Herausforderungen aus der alltäglichen Praxis, aber es wird auch über Innovationen, Trends und Anwendungen gesprochen.

Dieses Mal erzählt der Gewächshausklimaberater Ton Habraken über das Neue Anbauen

Mit dem Schließen des Gashahns im Groningenveld bis auf null im Jahr 2030 wird der Unterglasanbau gezwungen, mehr Energie einzusparen, und nachhaltige Alternativen für die Beheizung von Gewächshäusern zu suchen. Das Neue Anbauen ist eine der Methoden, um einen niedrigeren Energieverbrauch zu realisieren, auch wenn das in der Praxis nicht das Hauptziel ist. Der ‚Energiebonus‘ ist (meistens) Nebensache. Das könnte sich in naher Zukunft durchaus ändern.

Klimastrategie

Unter dem Aufhänger ‚Das Neue Anbauen‘ werden Schritt für Schritt neue Klimastrategien in der Praxis eingeführt. Mehr geschlossene und hellere Gewächshäuser, Doppelstegplatten in den Fassaden und Doppelschirme sind beim Neubau von Gewächshäusern bereits so gut wie Standard. Neue Gewächshausdachmaterialien wie z.B. diffuses Glas, Ventilatoren und Luftbehandlungsanlagen sind es noch nicht. Aber beim Neuen Anbauen steht nicht in erster Linie die Technik im Vordergrund, sondern eher die Anwendung der passenden Klimastrategie, sodass alle Techniken unter allen Bedingungen optimal miteinander zusammenarbeiten. Forscher, Anbauberater und Züchter teilen nicht immer die gleiche Meinung. Gute Beratung ist daher unentbehrlich.

Kas Magazine 01-2018 Ton2 626x.jpg

Engpass

Ein Engpass entsteht häufig, wenn die richtigen Klimaeinstellungen vorgenommen werden müssen“, sagt Ton Habraken vom Klimaschirmproduzenten Svensson. „Der Züchter muss sich eingehend mit der Analyse der Klimadaten befassen und die Einstellungen dementsprechend anpassen, sodass der Klimacomputer so steuert, wie es dem Züchter vorschwebt. In der Praxis wird häufig nur 20 Prozent aller Möglichkeiten genutzt, die die Software bietet. Darauf reagieren wir und das wird wahrscheinlich nur noch mehr werden. Man kann davon ausgehen, dass die Energieeinsparung immer wichtiger wird, ohne dass dies auf Kosten des Anbauklimas geht. Im Gegenteil, Klimaschirme müssen zu einem besseren Wachstumsklima beitragen. Die Praxis beweist, dass es auch möglich ist.

Einen Spalt öffnen

Das geringfügige Öffnen der Schirme ist häufig Gegenstand der Diskussion. „Wie lange, wie breit und mit einem oder zwei Schirmen.
Es spielt auch eine Rolle, ob es sich um einen lichtdichten Obscura oder einen maximal transparenten Luxous-Schirm handelt. Bei beleuchtenden Züchtern sieht man häufig, dass der Lichtemissionsreduktionsschirm nach 0.00 Uhr standardmäßig mit einem Spalt von25% geöffnet wird. Das halte ich für unklug. Man sollte eine Spaltöffnung nur einsetzen, wenn das Gewächs und das Gewächshausklima es erfordert. Um alles gut in den Griff zu bekommen, muss man in dem Fall wohl einige zusätzliche Sensoren aufhängen. Für jede Luftschicht, die man mit Klimaschirmen erzeugt, muss man einen Eichpunkt haben, um zusehen, wo es Möglichkeiten gibt, überschüssige Feuchtigkeit oder Wärme abzuleiten. Eine Messbox mit Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsmessung ist dafür unentbehrlich.

Neue Materialien

Im Neubau gibt es wieder andere Diskussionen, sagt Habraken.  „Soll ich meinen transparenten Luxous-Schirm oben oder ehr unten installieren? Welche Klimaschirme soll ich auf dasselbe Drahtbett legen, denn ich möchte drei Schirme installieren? Das sind die Fragen, die uns immer häufiger gestellt werden.“ Auch beim Auswechseln von Schirmen ist es grundsätzlich empfehlenswert, sich gut beraten zu lassen. Das Auswechseln bedeutet nicht automatisch, dass man sich für denselben Klimaschirm entscheidet, sagt der Klimaberater von Svensson. „Es gibt immer wieder neue Materialien und Methoden, die eine noch bessere Auswirkung auf den Pflanzenwuchs haben. Die Qualität des diffusen Lichtes, die Licht- und Feuchtigkeitsdurchlässigkeit der Schirme, das sind die Bereiche, in denen Fortschritte verbucht werden. Studien zeigen beispielsweise, dass Pflanzen mehr Licht vertragen können, als die Züchter bis jetzt annahmen, wenn man es zumindest auf entsprechende Art und Weise einfallen lässt. Man kann als Rosenzüchter sagen: ich habe nur ein 50%-Schirmtuch, denn das habe ich vor 10 Jahren installiert, macht das einfach noch einmal so. Dann geht man jedoch am Trend vorbei, dass für Rosen immer mehr Licht durchgelassen wird. Und dass man mit hochwertig diffundierenden Harmony Klimaschirmen noch einen Schritt ‚leichter‘ gehen kann und dadurch bessere Erträge erreicht.“

Maßgeschneiderter Schirm

Ob wohl zukünftig mehr personalisierte Schirmtücher eingesetzt werden, die vollständig auf die Anforderungen eines bestimmten Anbaus oder die Wünsche eines Züchters abgestimmt sind? „Das ist bei Svensson bereits der Fall, innerhalb der fünf Produktreihen, die wir führen. Es gibt unter anderem Rosenzüchter, die Klimaschirme einsetzen, die ansonsten niemand hat. Dabei handelt es sich um Schirmtücher mit sehr spezifischem Schirmgrad, Feuchtigkeitsdurchlässigkeit oder Offenheit. Man sieht es auch in Gewächshäusern mit Überdruck, wo Klimaschirme eingesetzt werden, die eine spezifische Luftmenge durchlassen. Maßgeschneiderte Schirmtücher sind noch kein Standard, aber ich denke, dass wir immer mehr in die Richtung gehen“, laut Klimaberater.

Pflanzenmodelle

Pflanzenmodelle werden in naher Zukunft das Klima auf der Basis von immer mehr Daten steuern, sodass die Züchter nur noch ihre Zielsetzungen in den Klimacomputer ‚eintippen‘ müssen. „Wir greifen dem mit der gesamten Klimaregelung, inklusive dem Klimaschirm, immer mehr vor. Wenn man an einembestimmten Tag beisteuern möchte, z.B. um an bestimmten Blumentagen Spitzenleistungen zu erreichen, kann es vorkommen, dass man irgendwann den Schirm einsetzt und sich gleichzeitig fragt: warum schirme ich jetzt eigentlich ab? Aber wenn das Pflanzenmodell dies empfiehlt, um in drei Wochen eine optimale Qualität zu erreichen, kann das gelegentlich dem Gespür des Züchters widersprechen.“

 

Unterschrift, um Newsletter zu erhalten