Veröffentlicht 30.05.2018

Weltweiter Saatguttresor: die ‚Arche Noahs‘

Samen sind das (Arbeits-)Kapital jedes Gärtners. Aus einem winzigen Samenkorn entsprießt zum Beispiel ein Kopfsalat, eine Gurke oder ein anderes Gemüse. Aus diesem Grund werden Samen auf Spitzbergen besonders sorgfältig für kommende Generationen aufbewahrt. Behörden richten dort spezielle Lager zum Aufbewahren von Saatgut ein.

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Die norwegische Regierung hat 2008 im Permafrost auf der Insel Spitzbergen (im norwegischen Svalbard/Red.) die ‚Mutter aller Saatguttresore‘ bauen lassen. Die drei identischen Tresore wurden in dem 424 Meter hohen Berg Platåfjellet in einem Stollen eingerichtet. Es friert dort immer. Von der wichtigsten Stadt Longyarbyen aus ist der charakteristische dreieckige Eingang des Svalbar Global Seed Vault einfach zu erreichen. Flughafen und Hafen liegen nur einen Katzensprung vom Berg entfernt. Saatgut aus der ganzen Welt kann dadurch problemlos angeliefert werden. Tief unter dem Boden sind die Samen vor Kriegen und Naturkatastrophen sicher. Obwohl Letzteres durch den Klimawandel teilweise in Gefahr ist (siehe Kasten).

Gemüse-Genbank

Die Tresore enthalten Saatgut für viele Zehntausende von essentiellen Nutzpflanzen, wie z.B. Bohnen, Weizen und Reis. Es geht inzwischen um circa eine Million versiegelter Plastikbeutelchen mit Samen. Es ist Platz für 4,5 Millionen Beutel. Die Weltsaatgutbank wird daher auch scherzhaft als die ‚Arche Noah‘ bezeichnet. Auch die Niederlande haben dort eine enorme Kollektion von Samen gespeichert, geht aus der Inhaltsbeschreibung auf der Website des Global Seed Vault hervor. Circa zweimal pro Jahr sendet Wageningen University & Research (WUR) neues Saatgut nach Spitzbergen.

Das ‚Centrum voor Genetische Bronnen Nederland‘ (CGN) der WUR verwaltet im Auftrag der Regierung die niederländische Genbank. „Unser Auftrag ist es, zur Erhaltung und Nutzung der pflanzlichen genetischen Diversität im internationalen Kontext beizutragen. CGN investiert in Wissenszuwachs und sorgt für eine vollständige Erreichbarkeit für alle professionellen Nutzer“, erläutert Clusterleiter Theo van Hintum. „CGN möchte die Gemüsegenbank von Europa sein.“

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Aleppo

Der Global Seed Vault ist keine normale Genbank, bei der Wissenschaftler sich direkt für Zugriff auf das Saatgut anmelden können. Der Tresor ist ein Sicherheitsvorrat für die lokalen Genbanken wie CGN. Das Saatgut auf Spitzbergen wird ausschließlich genutzt, um wertvolle Pflanzensorten nachzüchten zu können, deren Samenkollektionen in einer lokalen Genbank verloren gegangen sind. Ein dramatisches Beispiel davon ist das durch (Bürger-)Kriege zerrissene Syrien. Wissenschaftler aus diesem Land haben die Samenbank zum ersten Mal seit dem Bestehen des Svalbard Seed Vault um Zugriff auf das Saatgut gebeten.

Es ging unter anderem um Weizengräser, die in einem trockenen Klima gut gedeihen. Das International Center for Agricultural Research in the Dry Areas, das früher in der syrischen Stadt Aleppo angesiedelt war und jetzt seinen Sitz in Beirut hat, forderte das Saatgut zurück. Der Krieg machte es unmöglich, dafür zu sorgen, dass das Material der lokalen Genbank erneuert und den Nutzern weltweit geliefert werden konnte.

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