Veröffentlicht 13.03.2017

„Nicht die Größe der Fläche zählt, sondern die Qualität.“

Die Schweden lieben die Tomaten von Cees und Nynke Groenewegen. In Karintorps Tomater, ein Gewächshaus mit einer Fläche von knapp einem halben Hektar, werden während der Anbausaison 21 verschiedene Sorten Tomaten produziert. Die Produkte des Unternehmens finden ihren Weg nicht nur zu Einzelhändlern und Supermärkten, sondern auch zu Küchenchefs in der schwedischen Hauptstadt Stockholm.

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Für niederländische Züchter, die im Ausland beginnen, ist die Größe des Gewächshauses häufig wichtig; die Tendenz ist, das Oostland- oder Westland-Modell mit 20 Hektar auch im Ausland zu übernehmen. Cees Groenewegen ignoriert diesen Trend und glaubt auch nicht daran. „Hier machen wir Handarbeit. Wir schneiden die Blätter ab, ordnen die Zweige an, gewährleisten, dass die Tomaten mehr Licht bekommen und sorgen selber für Licht und Wasser. So leite ich ihr Wachstum. Und es funktioniert, ich habe nur zufriedene Käufer und Verbraucher, die den Laden in unserem Gewächshaus besuchen. Ich liebe meine Pflanzen.“

Von Sexbierum nach Karintorp

Als er 2006 die Niederlande für das winzige Städtchen Karintorp im Zentrum von Schweden - westlich von Åsbro südlich von  Örebro - verließ, ernannten seine Freunde ihn scherzhaft zum außerordentlichen Talentesucher für Heerenveen und vielleicht schaut er sich ja für diesen friesischen Fußballclub im Westland, Niederlande um. Cees Groenewegen lacht, als der Interviewer das erwähnt. „Ich sehe mir manchmal ein Spiel von ÖSK, Örebro Sportklubb, an, aber das ist  40 Minuten mit dem Auto entfernt. Hier in der Gegend tut sich nicht viel mit Fußball.“ Der Interviewer geht also davon aus, dass der Wunsch von Riemer van der Velde, dem charismatischen früheren Präsidenten des SC Heerenveen, nicht in Erfüllung gegangen ist. Heerenveen wird wohl selber seine Talente suchen müssen.

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Aber warum zogen Cees, seine Frau Nynke und seine drei Kinder von Sexbierum in den Niederlanden in die Weite der schwedischen Landschaft um? Schließlich war er bei einem Paprikazüchter in diesem friesischen Ort angestellt und kommt aus einer Züchterfamilie im Westland. „Ich war kurzzeitig selbstständig, als ich 1991 nach Sexbierum umzog. Das Unternehmertum erschien mir wieder sehr verlockend, aber in den Niederlanden ist der Kauf oder Bau eines Komplexes sehr kostspielig. Und irgendwann stieß ich auf eine Anzeige im Handelsblatt Groenten & Fruit (GFactueel.nl/red). Es wurde ein Gewächshaus mit Wohnung zum Kauf angeboten. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: wir haben unseren Urlaub in Schweden verbracht und uns das Gewächshaus angesehen. Wir konnten nicht nein sagen und sind 2006 nach Karintrop gezogen.“

Karintorp-04.jpgHochqualitativer Anbau

In Schweden gibt es keine Rabobank, die Sie, wie in den Niederlanden in der Rolle des Hauptfinanziers für den Gartenbau, unterstützen kann. Cees erzählt, dass es eine ganz schöne Herausforderung war, seinen Wunsch zu finanzieren. Letztendlich hat ‚Handelsbanken‘ den Kauf und die partielle Renovierung finanziert. „Ein Ankauf in Schweden ist immer noch wesentlich günstiger als in den Niederlanden.“ Obwohl er davor noch nie in Schweden gewesen war, sagt er, dass es sicher keine „Kein Weg zurück“-Geschichte war, wie man sie im niederländischen Fernsehprogramm „Helemaal ‘t Einde“ sieht. „Wir haben eine bewusste und wohlüberlegte Entscheidung getroffen. Es war sicher keine ‚Flucht‘ aus den Niederlanden. Ich habe auch nicht in einem unbekannten Sektor angefangen. Schweden ist ein gutes Land und wirtschaftlich geht es auch gut. Das Gebiet, in dem wir wohnen und arbeiten, ist für schwedische Verhältnisse relativ dicht besiedelt.“

Seine drei Kinder sprechen jetzt flüssig Schwedisch und helfen ihren Eltern häufig, Briefe und E-Mails zu korrigieren. „Schwedisch kann ganz schön knifflig sein, aber das Sprechen geht gut. Manchmal ist es wie Friesisch. Die Leute, die zu unserem Gewächshausladen kommen, um unsere Tomaten zu kaufen, sprechen mit uns und machen uns Komplimente über die Qualität, denn darum geht es natürlich: die schmackhaftesten Tomaten anzubauen.“

Schmackhafte und gelegentlich einzigartige Tomaten

Die Pflanzen kommen von Plantenkwekerij Vreugdenhil in den Niederlanden, wie auch die sonstigen Gewächshausmaterialien. Die Kokosmatten beziehen wir z.B. von Van der Knaap Groep und darauf werden in den Monaten Januar und Februar die Pflanzen im Gewächshaus gepflanzt. Auf der Karintorps-Website sind vier große und siebzehn kleinere Tomatensorten mit verschiedenen charakteristischen Aromen und markanten Farben zu sehen. Das erinnert an die Arbeit des Gewächshausgartenbauers Mats Olofsson von Vikentomater.

In einer früheren Ausgabe von Telen&Trends erklärte dieser schwedische Züchter aus der Stadt Viken, warum er in seinem Gewächshaus 8 Sorten anbaut: für die Konsumenten der schmackhaftesten Tomaten. Er sagte: „Die Fläche (weniger als 1 Ha/Red) ist nicht so wichtig. Sondern die Qualität der Pflanzen, die man anbaut. Wir sind darin sehr gut. Wir bauen besonders schmackhafte und gelegentlich einzigartige Tomaten an. Es stimmt, dass ich von bestimmten Sorten nur 20 Pflanzen habe. Aber wenn Küchenchef Tareq Taylor oder Verbraucher sie haben wollen und bereit sind, dafür zu zahlen, dann baue ich sie an.”

Das gilt auch für Cees. Er möchte die Vorlieben seiner Verbraucher genau kennen. Und das funktioniert: der schwedische Verbraucher ist bereit, für besonders schmackhafte Tomaten mehr zu bezahlen und sogar Küchenchefs in Stockholm verwenden seine frischen Produkte. „Aufgrund der Mundpropaganda haben wir uns zu unserem heutigen Status entwickelt. Wir liefern Kisten mit unterschiedlichen Sorten, aber auch gemischte Kisten an lokale Supermärkte und Gemüsespezialgeschäfte in einem Umkreis von 150 Kilometern. Früher haben wir diese Bestellungen selber geliefert, aber aufgrund unserer Expansion sahen wir uns gezwungen, dies einem speziellen Carrier zu übergeben“, erzählt Cees stolz.

Wechselhaftes Wetter

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Die Familie hat ihre elfte Anbausaison in Schweden abgeschlossen und ist für Nummer zwölf bereit. Auf die Frage, auf diese Zeit zurückzublicken, antwortet er schnell „Aber gerne. Die Produkte, die wir anbauen, werden sehr geschätzt und wir verdienen daran. Das versetzt uns in die Lage, unsere Kredite abzuzahlen und Investitionen für die Zukunft zu tätigen. Wir möchten expandieren, aber das wird relativ bescheiden, nichts Großes. Ich möchte auch einen zweiten Energieschirm installieren und zum Beheizen der Gewächshäuser in einen Holzbrenner investieren, da das Klima hier anders ist als in den Niederlanden.“ Das Wetter in diesem nördlichen Teil Europas ist kälter und wechselhafter als in den Niederlanden oder an der Südküste Englands. Es gibt Tage, an denen Cees den Schnee vom Glas schmelzen muss, um das erforderliche Licht hereinzulassen.

Für einen guten Anbau benötigen die Tomaten mindestens 1000 Joules pro Tag, aber an schlechten Tagen erreichen wir nur zwischen 0 und 20 Joules. „Ich habe gelernt, mich damit abzufinden“, sagt Cees resigniert. „Ich muss halt akzeptieren, dass meine Tomaten nicht so schnell wachsen. Dieses Gebiet hinkt, was das Wetter betrifft, circa einen Monat hinter den Niederlanden her. Ich klage gelegentlich über das Wetter, aber wir geben nicht auf.“

Ketchup von Karintorps

Der Tomatenzüchter Karintorps Tomater wirft nichts weg. Tomaten, die den hohen Ansprüchen des Züchters Cees Groenewegen nicht gerecht werden, liefert er seinen Nachbarn Helena und Erik Angelsten von Karintorps förädling AB. Sie stellen bereits seit vielen Jahren Tomaten-Dressings, Marmeladen und Chutneys für Diners oder BBQs. Cees Groenenwegen: „Die Schweden mögen diese Produkte und das Originelle daran. Wir verkaufen diese Produkte in unserem eigenen Laden, aber auch in Geschäften in der Nähe. Helena, Erik und Karintorps ergänzen einander, denn beide Unternehmen verfolgen dasselbe Ziel: die beste Qualität.“

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